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4:3 feiert Comeback - Weshalb Film gerade seine Form verändert

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, bahnt sich das schmale 4:3-Seitenverhältnis gerade seinen Weg zurück auf die Displays, Leinwände und Bildschirme. Was einst durch Breitbild-Formate wie 16:9 verdrängt wurde, scheint langsam aber sicher wieder in Mode zu kommen.


Aber wie kommt es dazu? Macht das Seitenverhältnis im Film überhaupt einen Unterschied? Und wird 4:3 bald der neue alte Standard?



Die Geschichte moderner Bildformate


Zunächst werfen wir einen Blick auf die Geschichte der in Film und Fernsehen verwendeten Seitenverhältnisse. Seinen Ursprung hat das 4:3-Verhältnis in den Anfängen des Films und wurde damals durch die Maße des 35mm-Films vorgegeben, auf dem die meisten Produktionen umgesetzt wurden.


Nachdem in den Anfängen des Kinos alles in 4:3 abgebildet wurde, wechselte man später zu breiteren Formaten, welche einen klaren technischen Vorteil gegenüber 4:3 hatten. Durch die rechteckige Form der Breitbild-Formate war im Kino ein geringerer vertikaler Abstand vom Projektor zu den Sitzreihen nötig.


Außerdem werden Seitenverhältnisse wie 16:9 anders wahrgenommen, da das menschliche Sehen eher einem Breitbild-Format entspricht, und so wurden breitere Formate bald der neue Standard des Kinofilms.

Nach einer quadratischen (1:1) Phase beim Fernsehen, orientierte man sich an den Filmproduktionen und stellte auf 4:3 um. Lange Zeit galten die Breitbild-Formate als Kinoformate während man beim Fernsehen auf 4:3 beharrte. Ab den 1990er Jahren und mit dem Wechsel zur Digitaltechnik wurden die meisten Fernseher dann schließlich im 16:9 Format gebaut.

Über die Jahre verschwanden langsam die 4:3 Röhren aus den Wohnzimmern bis das alte Format in den frühen 2010er Jahren schließlich fast ausgestorben war. Produktionen im 4:3 Format waren die Ausnahme.



Wie bahnte sich 4:3 seinen Weg zurück auf die Leinwände?


Für den wiederkehrenden Trend zu schmäleren Bildformaten werden oft neue technische Möglichkeiten verantwortlich gemacht. Dazu kommt noch die stetig wachsende Zahl an Film-Produktionen, sowie ein genereller Vintage-Hype.


American Honey (2016, Regie: Andrea Arnold)


Dank immer günstiger werdender Software und Kamera-Technik, steigt die Zahl der weltweit produzierten Filme Tag um Tag. Wer heute ein Smartphone und ein Notebook besitzt, hat bereits alles an der Hand, was gebraucht wird um einen Kurz- oder Feature-Film umzusetzen. Ein Blick auf die Website des Sundance Film-Festivals macht dies deutlich. Während dort im Jahr 2000 lediglich 3628 Filme eingereicht wurden, waren es im vergangenen Jahr 2020 bereits 15000.

Mit der wachsenden Zahl an produzierten Filmen steigt das Verlangen, sich von der Masse abzuheben. Auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen, probieren sich immer mehr Filmemacher an heute eher unkonventionellen Bildformaten.


Ein weiterer Faktor im 4:3-Revival dürfte der generelle Vintage-Trend sein, der sich die letzten Jahre in allen Lebensbereichen breit gemacht hat. Neben dem Wiederaufleben von Polaroid, Vinyl und Schlaghosen, ist der Hang zur Nostalgie auch in der Film- und Werbebranche bemerkbar.


So werden durch Einsatz von Filmburns, speziellen LUTs und Vintage-Linsen, alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das fertige Produkt weniger nach 2021 aussehen zu lassen.

Hierbei spielt natürlich auch die Wahl des Bildformats eine entscheidende Rolle.

Grand Budapest Hotel (2014, Regie: Wes Anderson)



Welche Vorteile bietet 4:3?


Neben den oben bereits genannten Beweggründen 4:3 zu verwenden (Alleinstellungsmerkmal und Vintage-Trend), gibt es einen entscheidenden und wohl viel wichtigeren Punkt bei der Wahl zwischen Breitbild und 4:3-Format: Bildkomposition.


Filme handeln in den meisten Fällen von Menschen und hier zeigt sich die große Stärke des 4:3 Formats. Bei nahen Einstellungen von Gesichtern, tut sich im Breitbild links und rechts zwangsläufig ein nicht zu vernachlässigender, leerer Raum auf. 4:3 hingegen ähnelt der Form eines Kopfes mehr und macht Einstellungen möglich, in denen wir uns ganz auf das Gesicht konzentrieren können. So fällt es leichter die oft subtile Mimik im Gesicht hervorzuheben und so zur Charakterisierung beizutragen.

Eine weitere gestalterische Möglichkeit zeigt sich in Szenen, die eine gefährliche, aussichtslose und klaustrophobische Stimmung transportieren sollen. Hier beschreibt das Publikum häufig, wie das enge 4:3-Verhältnis eine solche Wirkung unterstreicht und ein angespanntes Gefühl auslöst.


Solche gestalterischen Eigenschaften können sowohl Vor- als auch Nachteile sein; dies hängt sicher immer vom Projekt und dessen Konzept ab.


The Lighthouse (2019, Regie: Robert Eggers)



Ist 4:3 der neue Film-Standard?


Alles in allem ist es wohl unwahrscheinlich, dass Breitbild seinen Platz als Go-To-Seitenverhältnis verliert. Trotzdem scheinen die Tage gezählt zu sein, an denen Filmemacher sich in einen Käfig im 16:9 Format sperren lassen. Zwar macht die bloße Wahl eines ausgefallenen Seitenverhältnis keinen guten Film, jedoch dient die Wahl unterschiedlicher Formate als Grundlage für Komposition, Bildsprache und Publikumswirkung.


Fazit


In Zeiten einer immer größer werdenden Flut von Videomaterial suchen Filmemacher nach Wegen aus der Masse hervorstechen. Damit steigt die Bereitschaft auf unkonventionelle Bildformate zu setzen. Wir freuen uns über diese Entwicklung.



Quellen: