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Welttag des Designs: Wieso wir gute Untertitel brauchen

Wir feiern heute den Welttag des Designs mit dem diesjährigen Motto “Design for Each and All”.


Schlechtes Design schafft Hürden. Gutes Design überwindet sie und bringt Menschen näher zusammen. Denn Design ist Kommunikation und erfüllt seine Aufgabe, wenn es einen einfachen und gleichberechtigten Zugang zu den Inhalten schafft.


Wir haben den Welttag des Designs zum Anlass genommen, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir in unserem Arbeitsalltag zu einer inklusiveren und zugänglicheren Welt beitragen können. Dabei sind wir auf das Thema Untertitel gestoßen.


Bildquelle: https://presseportal.zdf.de/


Glücklicherweise ist das Angebot an Untertiteln in den letzten Jahren massiv gestiegen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen stellt zur Hauptsendezeit Live-Untertitelung zur Verfügung. Auf allen Streaming-Plattformen werden inzwischen Untertitel angeboten, wenn auch leider noch nicht für jeden Content. Auf vielen Social Media Plattformen (besonders auf TikTok) gehört es zum guten Ton Videos zu untertiteln — vor Allem auch, weil hier viel unterwegs und ohne eingeschalteten Ton konsumiert wird. Wer nicht untertitelt büßt unter Umständen eine beträchtliche Anzahl an Zuschauern ein.


Dank Untertitelung können wir ausländische Filme anschauen, für die keine Synchronisation verfügbar ist. Wir können unterwegs oder an lauten Orten Social Videos genießen. Wir können Filme im Originalton schauen (auch wenn diese*r eine Schauspieler*in mitspielt, die/den man nicht versteht). Wir können mit Hilfe von untertitelten Serien unsere Fremdsprachenkenntnisse erweitern. Aber es gibt eine Gruppe von Menschen für die Untertitel eine noch größere Wichtigkeit haben.


"Jeder Mensch verdient es in einer gut designten Welt zu leben." – Montreal Design Declaration

Es wird geschätzt, dass in Deutschland 13,3 Millionen Menschen mit (in verschiedenem Grade) beeinträchtigtem Gehör leben [1]. Viele davon sind auf Untertitel angewiesen, wenn es um Bewegtbildinhalte geht. Für diese Menschen ist das Fehlen von Untertiteln nicht nur ein unbequemes Ärgernis; es schließt sie komplett aus der Konversation aus.


Grund genug, uns bewusster mit dem Thema Untertitel zu beschäftigen und zu lernen, was wir dabei in Zukunft noch besser machen können. Deshalb haben wir eine Liste mit Best Practices zusammengetragen, die uns — und hoffentlich auch anderen — dabei hilft, die bestmöglichen Untertitel bereitzustellen!


  • Positioniere Untertitel mittig am unteren Bildrand (es sei denn, sie würden dort den Mund des Sprechenden oder Geschriebenes in der Szene verdecken).

  • Untertitel sollten aus maximal zwei Zeilen mit jeweils maximal 40 Zeichen bestehen.

  • Die obere Zeile sollte die Kürzere sein, damit so wenig wie möglich vom Bild verdeckt wird.

  • Benutze eine gut lesbare Schrift auf einem kontrastierenden Hintergrund.


  • Im Idealfall enthält ein Untertitel genau einen Satz. Teile das Gesprochene ansonsten in sinnvolle Teile auf.

  • Trenne keine sinnhaft zusammengehörende Satzteile.

  • Teile größere Textblöcke lieber auf. Zu lange Textblöcke können zu Spoilern führen.


  • Untertitel sollten genau dann erscheinen, wenn das Gesprochene beginnt und verschwinden, wenn es aufhört. (Aber: Mindeststandzeit 1,5 Sekunden)

  • Gib Wort für Wort wieder was gesagt wird. Egal ob Verkürzungen, Slang oder Füllwörter — all das trägt zum Kontext und dem Redestil des Sprechenden bei.

  • Wenn Sprache unverständlich ist, erkläre wieso. (z.B. Verkehr übertönt Sprache)

  • Wenn sprechende Menschen zu sehen sind, aber kein Sound vorhanden ist, zeige das als [Stille] an.

  • Wenn etwas wiederholt wird, füge eine kleine Pause zwischen den Untertiteln ein, um anzuzeigen, dass ein neuer Untertitel steht.



  • Benutze …, wenn eine Pause im Gesprochenen entsteht, aber NICHT um anzuzeigen, dass der Satz im nächsten Untertitel weitergeht.

  • Wird jemand unterbrochen, zeige das mit einem Langstrich (—) an.

  • Geräusche, Musik und Soundeffekte werden mit einem * umschlossen und in kursiv geschrieben.

  • Gesungenes kann mit # oder einer Musiknote eingeklammert werden und wird kursiv geschrieben.

  • Stelle den Namen des Sprechenden in eckigen Klammern voran, wenn es ansonsten nicht eindeutig wäre.

  • Wenn Gesprochenes oder ein Geräusch abseits des Bildes hörbar aus einer bestimmten Richtung kommt, wird das mit einem vorangestellten Pfeil angezeigt. (<: *Glas klirrt*)


  • Benutze Anführungszeichen, wenn z.B. aus einem Buch oder Brief vorgelesen wird.

  • Voice-Overs werden kursiv dargestellt.

  • Wenn ein Wort besonders betont wird, kann es kursiv stehen, aber nicht unterstrichen oder fett.

  • Nur Schreie oder Rufe werden versal dargestellt.



Quellen: [1] https://www.schwerhoerigen-netz.de/statistiken/

https://www.gamasutra.com/blogs/IanHamilton/20150715/248571/How_to_do_subtitles_well__basics_and_good_practices.php

https://engagemedia.org/help/best-practices-for-online-subtitling/

https://bbc.github.io/subtitle-guidelines/

https://www.pictima.de/blog/untertitel-videos-tipps-und-tools